Achtdisziplinen-Methode (8D)
Strukturiertes Verfahren zur Bearbeitung von Reklamationen in acht Schritten.
Die 8D-Methode führt von der Sofortmaßnahme über die Ursachenanalyse bis zur dauerhaften Abstellmaßnahme und wird von Auftraggebern in der Wehrtechnik häufig als Format für Reklamationsantworten vorgegeben. Sie ersetzt keine eigene Fehleranalyse, gibt aber die Struktur vor, in der ein Zulieferer antworten muss.
Verwandt: Güteprüfung, Qualitätssicherungsbedingungen (QSB)
Fachbuch, Kapitel 27
Allgemeine Genehmigung (AGG)
Vorab erteilte Ausfuhrgenehmigung für bestimmte, klar umrissene Fälle im Außenwirtschaftsrecht.
Anders als eine Einzelgenehmigung muss eine Allgemeine Genehmigung nicht für jede Lieferung neu beantragt werden, sie deckt einen definierten Empfängerkreis oder Zweck pauschal ab. Für Rüstungsgüter existieren mehrere solcher Genehmigungen, unter anderem für Lieferungen an Streitkräfte oder an nach Artikel 9 zertifizierte Empfänger.
Verwandt: Außenwirtschaftsgesetz und Außenwirtschaftsverordnung (AWG/AWV), Kriegswaffenkontrollgesetz (KrWaffKontrG)
Fachbuch, Kapitel 27, 28
Allied Engineering Publication (AEP)
NATO-Publikationsreihe für technische Regelwerke, unter anderem im ballistischen Prüfwesen.
AEP-Dokumente ergänzen die AQAP-Reihe um technische Inhalte, etwa die Insassenschutzstufen für gepanzerte Landfahrzeuge. Für einen Fertigungsbetrieb sind sie meist über die STANAG-Referenz relevant, mit der sie gemeinsam zitiert werden.
Verwandt: STANAG 4569 / AEP-55 Vol. 1, Allied Quality Assurance Publication (AQAP)
Fachbuch, Kapitel 27
Allied Quality Assurance Publication (AQAP)
Familie von NATO-Regelwerken zur Qualitätssicherung bei Rüstungsaufträgen.
Die AQAP-Reihe reicht von Grundsatzdokumenten ohne Vertragscharakter bis zu konkreten Anforderungen an Entwicklung, Produktion und Prüfung, die je nach Auftrag als Vertragsgrundlage vereinbart werden. Welche Stufe greift, hängt vom Auftrag ab, nicht von der Größe des Betriebs.
Verwandt: Qualitätsmanagementplan (QMP), Güteprüfung
Fachbuch, Kapitel 27, 28
Anerkannte Stelle
Von der militärischen Leitstelle zugelassene Organisation, die Betriebe nach DIN 2303 prüft.
Anerkannte Stellen führen die Antragsprüfung, Betriebsbegehung und das Fachgespräch mit der Schweißaufsicht durch und stellen die Bescheinigung über die Herstellerqualifikation aus. Ein Betrieb kann die anerkannte Stelle frei wählen, die zivile Leitstelle hat darauf keinen Einfluss.
Verwandt: Herstellerqualifikation (Q1 bis Q4), Zivile Leitstelle
Fachbuch, Kapitel 15, 29
Anspreng-Grundkörper
Prüfkörper, den ein Betrieb für die Q3-Verfahrensprüfung nach TL 2350-0003 fertigt.
Die Prüfkörper werden anschließend von der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition beschossen, um die Schweißnahtqualität an gepanzerten Gehäusen zu verifizieren. Erst nach bestandener Erprobung wird die Zulassung zur Herstellung von Panzerungsbauteilen erteilt.
Verwandt: Herstellerqualifikation (Q1 bis Q4), Wehrtechnische Dienststelle (WTD)
Fachbuch, Kapitel 15, 29
AQAP-Bestätigung
Formelle Bestätigung des betrieblichen Qualitätsmanagementsystems durch das BAAINBw.
Sie bezieht sich auf konkrete AQAP-Stufen wie 2310, 2110 oder 2120 und setzt bereits bestehende Verträge voraus. Sie ist damit keine Eingangsvoraussetzung für eine Auftragsvergabe, sondern eine Bestätigung, die sich aus laufenden Aufträgen ergibt.
Verwandt: Allied Quality Assurance Publication (AQAP), Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw)
Fachbuch, Kapitel 29
Außenwirtschaftsgesetz und Außenwirtschaftsverordnung (AWG/AWV)
Rechtsrahmen, der Ausfuhr, Verbringung und technische Unterstützung bei Rüstungsgütern regelt.
Panzerstahl gilt bereits als Blech als Rüstungsgut und fällt damit unter dieses Regelwerk, sobald er die EU verlässt oder aus dem EU-Ausland beschafft wird. Die konkrete Genehmigungspflicht hängt von Position in der Ausfuhrliste, Empfänger und Verwendungszweck ab.
Verwandt: Allgemeine Genehmigung (AGG), Kriegswaffenkontrollgesetz (KrWaffKontrG)
Fachbuch, Kapitel 27, 28
Bauteilklasse (BK)
Einstufung eines wehrtechnischen Produkts nach Beanspruchung und Sicherheitsbedeutung, BK 1 bis BK 4.
Die Bauteilklasse bestimmt zusammen mit der Q-Klasse, welche Nahtgüte und welches Personal gefordert werden, und leitet sich aus der Funktion des Bauteils ab, nicht aus dem Werkstoff. Ist keine Bauteilklasse dokumentiert nachweisbar, gilt automatisch die strengste Stufe BK 1.
Verwandt: Herstellerqualifikation (Q1 bis Q4), Bewertungsgruppe
Fachbuch, Kapitel 15.5, 29
Bewertungsgruppe
Zulässigkeitsgrenzen für Unregelmäßigkeiten in Schweißnähten nach EN ISO 5817.
Die Gruppen B, C und D unterscheiden sich in der Strenge, wobei B die anspruchsvollste ist. Welche Gruppe gilt, hängt an der Bauteilklasse: BK 1 und BK 2 verlangen Gruppe B, BK 3 verlangt C, BK 4 verlangt D.
Verwandt: Bauteilklasse (BK)
Fachbuch, Kapitel 13.7, 29
Blaswirkung
Ablenkung des Lichtbogens durch ein magnetisches Restfeld im Bauteil.
Sie führt zu unruhigem Lichtbogen, einseitigem Einbrand, Bindefehlern und Poren, bevorzugt in Heft- und Wurzellagen, wo noch wenig Schweißgut liegt. Ursache ist Restmagnetismus, der von Lasthebemagneten, Magnetspannplatten oder der Magnetpulverprüfung stammen kann.
Verwandt: Restmagnetismus, Wärmeeinflusszone (WEZ)
Fachbuch, Kapitel 6.8, 29
Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw)
Beschaffungsbehörde der Bundeswehr mit Sitz in Koblenz.
Sie vergibt Aufträge, betreibt die Güteprüfung über nachgeordnete Stellen und bestätigt betriebliche AQAP-Qualifikationen. Für einen Zulieferer ist sie meist über das Zentrum für technisches Qualitätsmanagement oder die Güteprüfstellen präsent, nicht direkt.
Verwandt: Güteprüfung, Zentrum für technisches Qualitätsmanagement (ZtQ)
Fachbuch, Kapitel 27
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
Bundesbehörde für IT-Sicherheit, unter anderem zuständig für die NIS2-Registrierung.
Betriebe, die unter das NIS2-Umsetzungsgesetz fallen, registrieren sich seit Januar 2026 über ein Portal des BSI. Für die wehrtechnische Lieferkette wird das Thema zunehmend auch vertraglich verlangt, unabhängig von der gesetzlichen Pflicht.
Fachbuch, Kapitel 27, 28
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
Genehmigungsbehörde für Ausfuhren und Verbringungen von Rüstungsgütern.
Beim BAFA werden Einzel-, Sammel- und Globalgenehmigungen beantragt und die Zertifizierung nach Artikel 9 der Verteidigungsgüterrichtlinie durchgeführt. Für Betriebe, die Panzerstahl aus dem EU-Ausland beziehen wollen, ist diese Zertifizierung oft der praktikabelste Weg.
Verwandt: Außenwirtschaftsgesetz und Außenwirtschaftsverordnung (AWG/AWV)
Fachbuch, Kapitel 27, 28
Bundesministerium der Verteidigung (BMVg)
Oberste Bundesbehörde, der das Beschaffungswesen der Bundeswehr zugeordnet ist.
Vertragsbedingungen wie die Zusätzlichen Vertragsbedingungen des BMVg zur VOL/B gehen auf dieses Ministerium zurück. Im betrieblichen Alltag begegnet es Zulieferern vor allem über solche Vertragsdokumente.
Verwandt: § 12 VOL/B, ZVB/BMVg
Fachbuch, Kapitel 27
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE)
Ministerium, dem unter anderem das Geheimschutzhandbuch und Teile der Exportkontrolle zugeordnet sind.
Die Bezeichnung hat in den letzten Jahren mehrfach gewechselt, zuvor BMWK und davor BMWi. Für die Wehrtechnik ist vor allem sein Zuständigkeitsbereich für Geheimschutz in der Wirtschaft relevant.
Verwandt: Geheimschutzhandbuch (GHB)
Fachbuch, Kapitel 27
Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV)
Branchenverband der deutschen Wehrtechnik.
Der BDSV veröffentlicht gemeinsam mit dem BAAINBw abgestimmte Leitfäden zur Qualitätssicherung, die als praxisnahe Ergänzung zu den amtlichen Regelwerken dienen. Für Einsteiger sind solche Leitfäden oft verständlicher als die Originalnormen.
Verwandt: Güteprüfung
Fachbuch, Kapitel 27, 30
Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren (DVS)
Fachverband für Schweißtechnik, Herausgeber technischer Merkblätter.
DVS-Merkblätter wie 2715 und 2721 werden in der DIN 2303 in Bezug genommen und konkretisieren dort allgemeine Anforderungen. Der Verband ist außerdem an der Qualifikation von Schweißaufsichtspersonen beteiligt.
Verwandt: Schweißfachingenieur (SFI)
Fachbuch, Kapitel 27, 28
Dickentoleranzklasse (EN 10029)
Vier Klassen A bis D, die dieselbe Toleranzspanne unterschiedlich auf Plus und Minus verteilen.
Klasse A verteilt asymmetrisch und nach Nenndicke gestaffelt, Klasse C setzt das untere Grenzabmaß auf null und legt die gesamte Spanne ins Plus. Bei Panzerstahl ist die Dicke eine Schutzeigenschaft, deshalb lohnt sich bei knapper Auslegung die Bestellung nach Klasse C.
Verwandt: Sonderfreigabe und Bauabweichung, Stahltyp L und H
Fachbuch, Kapitel 13.2, 13.3
Dreifarb-Tarnsystem
Standardtarnung der Bundeswehr aus Bronzegrün, Lederbraun und Teerschwarz.
Die Beschichtung muss neben der Optik auch das Infrarotverhalten der Oberfläche erfüllen, weshalb der eingesetzte Lack kein gewöhnlicher Industrielack ist. Für einen Betrieb bedeutet das eine gesonderte Zulassung des Beschichtungssystems.
Verwandt: Volatile Corrosion Inhibitor (VCI)
Fachbuch, Kapitel 29
Ebenheitsklasse (EN 10029)
Klassen N und S, kombiniert mit den Stahltypen L und H, für die zulässige Welligkeit von Grobblech.
Panzerstahl fällt wegen seiner hohen Streckgrenze in Stahltyp H, dessen zulässige Welligkeit doppelt so groß ist wie bei Typ L. Die auf Zeichnungen üblicherweise geforderte Ebenheit liegt in der Praxis deutlich enger als das, was die Norm im Lieferzustand erlaubt.
Verwandt: Stahltyp L und H, Dickentoleranzklasse (EN 10029)
Fachbuch, Kapitel 13.2
Endverbleibserklärung
Rechtsverbindliche Zusicherung über den späteren Verbleib eines Rüstungsguts.
Sie ist Voraussetzung für Ausfuhrgenehmigungen und häufig auch für die Beschaffung von Panzerstahl selbst, weil bereits das Vormaterial als Rüstungsgut gilt. Ohne belastbare Endverbleibsangabe stockt der Beschaffungsprozess schon vor der eigentlichen Fertigung.
Verwandt: Allgemeine Genehmigung (AGG)
Fachbuch, Kapitel 29
Erfahrungsaustausch der Anerkannten Stellen (ERFA)
Gremium, das die DIN 2303 laufend auslegt und ergänzt.
Die Teilnahme ist für die Leiter der anerkannten Stellen verpflichtend, die Ergebnisse werden in einer fortlaufend gepflegten A-Z-Sammlung dokumentiert. Wer nur den Normtext von 2007 kennt, kennt nur die halbe Regel, weil viele praxisrelevante Klarstellungen ausschließlich in dieser Sammlung stehen.
Verwandt: Anerkannte Stelle, Zivile Leitstelle
Fachbuch, Kapitel 15.1, 27
Erstbemusterung (First Article Inspection, FAI)
Prüfung eines unter Serien- oder seriennahen Bedingungen gefertigten Erstmusters gegen alle Zeichnungsforderungen.
Dokumentiert werden Soll- und Istwerte für sämtliche Merkmale, auch Texte und Normverweise auf der Zeichnung. Der Umfang der Bemusterung richtet sich nach der Vorlagestufe, die vom Kunden vorgegeben wird.
Verwandt: Vorlagestufe, Sonderfreigabe und Bauabweichung
Fachbuch, Kapitel 29
Freigabevermerk
Vor der Auslieferung zu erteilender amtlicher Vermerk nach Paragraf 12 VOL/B.
Im Inland ist das praktisch der Bescheinigungsstempel der Güteprüfstelle der Bundeswehr auf dem Lieferschein. Ohne diesen Vermerk darf bei Aufträgen mit Güteprüfung nicht ausgeliefert werden.
Verwandt: Güteprüfung, Güteprüfstelle der Bundeswehr (GPS Bw)
Fachbuch, Kapitel 29
Geheimschutzhandbuch (GHB)
Regelwerk des zuständigen Ministeriums zum Umgang mit Verschlusssachen in der Wirtschaft.
Anlage 4 enthält das Merkblatt zur niedrigsten Geheimhaltungsstufe VS-NfD, die keine Sicherheitsüberprüfung, aber eine vertragliche Verpflichtung verlangt. Höhere Geheimhaltungsstufen verlangen zusätzlich eine Sicherheitsüberprüfung nach dem Sicherheitsüberprüfungsgesetz.
Verwandt: Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch (VS-NfD), Sicherheitsüberprüfungsgesetz (SÜG)
Fachbuch, Kapitel 27, 28
Gesellschaft für Schweißtechnik International (GSI)
Trägerorganisation der zivilen Leitstelle und mehrerer anerkannter Stellen nach DIN 2303.
Über ihre SLV-Niederlassungen deckt die GSI die Klassen Q1, Q2 und Q4 selbst ab, während Q3 in Kooperation mit der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition erteilt wird. Die zugehörige Niederlassung SLV Berlin-Brandenburg ist zugleich zivile Leitstelle.
Verwandt: SLV (Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt), Zivile Leitstelle
Fachbuch, Kapitel 15.9, 27
Güteprüfstelle der Bundeswehr (GPS Bw)
Örtliche Stelle, die die amtliche Güteprüfung im oder am Betrieb durchführt.
Sie begleitet die Fertigung, wertet Prüfergebnisse aus und erteilt den Freigabevermerk vor der Auslieferung. Der Zugang der Güteprüfstelle zum Betrieb ist ein Punkt, den viele Betriebe beim Einstieg unterschätzen.
Verwandt: Güteprüfung, Freigabevermerk
Fachbuch, Kapitel 27
Güteprüfung
Amtliche, begleitende Prüfung der Leistung gegen vertraglich vereinbarte technische und organisatorische Anforderungen.
Sie ist kein Abnahmeverfahren, sondern ein laufender Überwachungsprozess, dessen Umfang sich nach der vereinbarten AQAP-Stufe richtet. Für den Betrieb bedeutet sie vor allem ein Zugangsrecht der Prüfstelle, das vertraglich mitgeregelt werden muss.
Verwandt: Freigabevermerk, Allied Quality Assurance Publication (AQAP)
Fachbuch, Kapitel 29
Härte nach Brinell (HBW)
Härteangabe mit Hartmetallkugel, gängige Kenngröße für Panzerstahl.
Die Prüfung erfolgt oberflächennah, üblicherweise 0,5 bis 1,0 Millimeter unter der bearbeiteten Fläche. Genau diese Zone geht verloren, wenn ein Blech nachträglich abgefräst wird, weshalb ein solches Blech seinen Härtenachweis verliert.
Verwandt: Dickentoleranzklasse (EN 10029), Kohlenstoffäquivalent (CET/CEV)
Fachbuch, Kapitel 13.3, 27
Härte nach Rockwell (HRC)
Härteskala C, alternative Angabe zur Brinellhärte bei sehr harten Werkstoffen.
Sie wird vor allem bei den höheren Härteklassen des Schutzstahls verwendet, wo die Brinellskala an ihre Grenzen kommt. In Datenblättern tauchen beide Skalen je nach Hersteller nebeneinander auf.
Verwandt: Härte nach Brinell (HBW)
Fachbuch, Kapitel 27
Härte nach Vickers (HV)
Feinere Härteskala, unter anderem für Gefügeuntersuchungen im Nahtbereich genutzt.
Sie eignet sich wegen des kleinen Eindrucks besonders für örtliche Messungen, etwa in der Wärmeeinflusszone einer Schweißnaht. Für die laufende Wareneingangsprüfung ist sie weniger gebräuchlich als die Brinellhärte.
Verwandt: Wärmeeinflusszone (WEZ)
Fachbuch, Kapitel 27
Herstellerqualifikation (Q1 bis Q4)
Vierstufige Einteilung nach DIN 2303, die festlegt, welche Anforderungen ein Betrieb erfüllen muss.
Q1 und Q2 sind werkstoffbezogen und produktunabhängig, Q3 und Q4 sind dagegen an die Funktion des Bauteils gebunden. Für Panzerstahl mit Schutzfunktion greift grundsätzlich Q3, unabhängig davon, dass der Werkstoff für sich genommen auch unter Q2 fiele.
Verwandt: Bauteilklasse (BK), Anerkannte Stelle
Fachbuch, Kapitel 15.2, 29
High Hardness Armour (HHA)
Härteklasse des Schutzstahls im oberen Härtebereich.
Sie liegt deutlich über der klassischen gewalzten Homogenpanzerung und bringt engere Schweiß- und Umformfenster mit sich. Mit steigender Härte schrumpft in der Praxis sowohl der zulässige Biegeradius als auch das Temperaturfenster beim Schweißen.
Verwandt: Rolled Homogeneous Armour (RHA), Kohlenstoffäquivalent (CET/CEV)
Fachbuch, Kapitel 27, 29
Innere Kühlmittelzufuhr (IKZ)
Kühlmittelzufuhr durch das Werkzeug hindurch, insbesondere beim Bohren.
Bei zäh-hochfesten Werkstoffen wie Panzerstahl ist eine aktive, innere Kühlung häufig entscheidend für Standzeit und Bohrungsqualität. Werkzeuge ohne diese Option stoßen bei größeren Bohrtiefen schneller an ihre Grenzen.
Verwandt: Vollhartmetall (VHM)
Fachbuch, Kapitel 27
Kaltrichten
Richten durch Kraft statt Wärme, in der Presse oder durch Rollwalzen.
Bei Panzerstahl ist es zulässig, weil Warmrichten die Anlasstemperatur überschreitet und Härte sowie Schutzwirkung zerstört. Kaltrichten bleibt aber Kaltumformung und damit ein festzulegender Sonderprozess, der Verformungsvermögen verbraucht.
Verwandt: Rückfederung, Sonderfreigabe und Bauabweichung
Fachbuch, Kapitel 13.9, 29
Kaltriss
Wasserstoffinduzierter Riss, der erst Stunden bis Tage nach dem Schweißen auftritt.
Er entsteht typischerweise in der Wärmeeinflusszone oder im Nahtübergang durch zu schnelle Abkühlung, fehlende Vorwärmung oder Wasserstoffquellen wie feuchte Elektroden. Weil er verzögert auftritt, ist er in der laufenden Fertigung leicht zu übersehen.
Verwandt: Kohlenstoffäquivalent (CET/CEV), Wärmeeinflusszone (WEZ)
Fachbuch, Kapitel 29
Kathodische Tauchlackierung (KTL)
Elektrochemisches Beschichtungsverfahren mit Einbrennschritt.
Der Einbrennschritt arbeitet mit Temperaturen, die bei Panzerstahl kritisch nahe an der werkstoffspezifischen Erwärmungsgrenze liegen können. Vor dem Einsatz muss deshalb geprüft werden, ob die Prozesstemperatur unterhalb der zulässigen Grenze bleibt.
Verwandt: Wärmeeinflusszone (WEZ)
Fachbuch, Kapitel 27
Klebaufsichtsperson (KAP)
Verantwortliche Aufsicht für Klebprozesse nach TL A-0023 und DIN 2304.
Kleben ist bei Panzerstahl ein eigenes Zulassungsregime neben dem Schweißen, mit eigener Betriebsqualifikation für militärische Produkte. Die Klebaufsichtsperson übernimmt dabei eine ähnliche Rolle wie die Schweißaufsichtsperson beim Fügen durch Schweißen.
Verwandt: Schweißaufsichtsperson und verantwortliche Schweißaufsichtsperson (SAP/vSAP)
Fachbuch, Kapitel 29
Kohlenstoffäquivalent (CET/CEV)
Rechengrößen aus der chemischen Zusammensetzung, die die Neigung zu Wasserstoffrissen beschreiben.
Aus ihnen leitet sich ab, wie hoch die Vorwärmtemperatur beim Schweißen mindestens sein muss. Bei einem Chargenwechsel sollten CET und CEV verglichen werden, weil die Vorwärmtemperatur je nach chemischer Streuung neu bewertet werden muss.
Verwandt: Kaltriss, Zwischenlagentemperatur
Fachbuch, Kapitel 6.5, 29
Kriegswaffenkontrollgesetz (KrWaffKontrG)
Gesetz, das die Herstellung, den Erwerb und den Transport von Kriegswaffen zusätzlich zum Außenwirtschaftsrecht regelt.
Bestimmte Waren, die unter dieses Gesetz fallen, sind zusätzlich über eine eigene Allgemeine Genehmigung geregelt, die zeitlich befristet ist. Für Panzerungsbauteile ist die Abgrenzung zwischen reinem Außenwirtschaftsrecht und diesem Gesetz im Einzelfall zu prüfen.
Verwandt: Allgemeine Genehmigung (AGG)
Fachbuch, Kapitel 27, 28
Matrizenöffnungswinkel
Öffnungswinkel des Biegewerkzeugs, der das Überbiegen zum Ausgleich der Rückfederung ermöglichen muss.
Wird ein Standardwerkzeug mit zu geringem Öffnungswinkel verwendet, lässt sich die Rückfederung geometrisch nicht kompensieren, und der Zielwinkel wird nicht erreicht. Der nötige Winkel hängt von Güte, Dicke und Zielbiegewinkel ab und muss im Einzelfall festgelegt werden.
Verwandt: Rückfederung
Fachbuch, Kapitel 5, 13.5
Metall-Aktivgas-, Metall-Inertgas- und Wolfram-Inertgasschweißen (MAG/MIG/WIG)
Die drei gängigen Lichtbogen-Schutzgasverfahren beim Schweißen von Panzerstahl.
Sie unterscheiden sich im Schutzgas und in der Elektrode, teilen aber die Notwendigkeit kontrollierter Wärmeführung und geeigneter, wasserstoffarmer Zusatzwerkstoffe. Welches Verfahren geeignet ist, hängt von Bauteilgeometrie, Position und geforderter Nahtqualität ab.
Verwandt: Metall-Schutzgasschweißen (MSG)
Fachbuch, Kapitel 27
Metall-Schutzgasschweißen (MSG)
Oberbegriff für MAG- und MIG-Schweißen.
In Tabellen und Regelwerken wird häufig nur die Gruppenbezeichnung MSG verwendet, wenn die genaue Gasart nicht entscheidend ist. Für die Praxis bleibt trotzdem wichtig, welches konkrete Verfahren und welcher Zusatzwerkstoff freigegeben sind.
Verwandt: Metall-Aktivgas-, Metall-Inertgas- und Wolfram-Inertgasschweißen (MAG/MIG/WIG)
Fachbuch, Kapitel 27
Multihit
Ballistische Prüfbedingung mit drei Treffern im gleichseitigen Dreieck.
Der Trefferabstand beträgt das Drei- bis Vierfache des Kaliberdurchmessers, um die Wirkung mehrfacher Beschüsse auf engem Raum zu bewerten. Die genaue Definition steht im Regelwerk der jeweiligen Prüfstelle, etwa der VPAM-Prüfrichtlinie.
Verwandt: V50, Vereinigung der Prüfstellen für angriffshemmende Materialien und Konstruktionen (VPAM)
Fachbuch, Kapitel 29
NATO Commercial and Government Entity Code (NCAGE-Code)
Fünfstelliger Schlüssel zur Identifikation von Unternehmen im NATO-Kodifizierungssystem.
Der Code ist kostenfrei zu beantragen, aber Voraussetzung für die Teilnahme an vielen Ausschreibungen der Wehrtechnik. Ohne ihn ist ein Betrieb im Beschaffungssystem der NATO-Staaten praktisch nicht sichtbar.
Fachbuch, Kapitel 29
Personalkonzept
Nachweis, wie die Schweißaufsicht über die gesamte Zertifikatslaufzeit sichergestellt bleibt.
Es wird verlangt, wenn eine eingetragene Aufsichtsperson während der Laufzeit das Rentenalter erreicht oder eine vorhersehbare Auszeit ansteht. Ohne belastbares Konzept riskiert ein Betrieb, dass die Zulassung an fehlendem Personal scheitert, obwohl die Technik stimmt.
Verwandt: Schweißaufsichtsperson und verantwortliche Schweißaufsichtsperson (SAP/vSAP)
Fachbuch, Kapitel 15.6
Prüfablaufplan
Mit der zuständigen Güteprüfstelle abgestimmter Plan, der Prüfungen und Kontaktzeitpunkte festlegt.
Er regelt, an welchen Punkten der Fertigung die Güteprüfung informiert oder eingebunden werden muss. Fehlt er oder wird er nicht eingehalten, drohen Verzögerungen bei Freigabe und Auslieferung.
Verwandt: Güteprüfung, Freigabevermerk
Fachbuch, Kapitel 29
Prüfverfahren der zerstörungsfreien Prüfung (PT/MT/UT/RT/VT)
Sammelbegriff für Eindring-, Magnetpulver-, Ultraschall-, Durchstrahlungs- und Sichtprüfung.
Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von Werkstoff, Bauteilgeometrie und geforderter Nahtgüte ab. An Panzerstahl ist die Magnetpulverprüfung wegen des dabei aufgeprägten Restmagnetismus besonders zu beachten.
Verwandt: Restmagnetismus, Zerstörungsfreie Prüfung (zfP)
Fachbuch, Kapitel 27
Qualitätsmanagementplan (QMP)
Vertragsbezogener Plan nach AQAP 2105, der die Qualitätssicherung für einen konkreten Auftrag beschreibt.
Er wird bei fast allen AQAP-Stufen gefordert, mit Ausnahme der reinen Endprüfstufe, und muss vor Arbeitsbeginn vorgelegt werden. Ohne rechtzeitig erstellten Plan kann die Fertigung formal nicht beginnen.
Verwandt: Allied Quality Assurance Publication (AQAP)
Fachbuch, Kapitel 29
Qualitätssicherungsbedingungen (QSB)
Zahlencodes im Auftrag, die die konkreten Qualitätsanforderungen eines Systemhauses referenzieren.
Erst der zugehörige Katalog erklärt, was ein Code inhaltlich verlangt, etwa welche Vorlagestufe für die Erstbemusterung gilt. Der QSB-Code ist damit der zentrale Schlüssel für die Kalkulation eines Wehrtechnikauftrags.
Verwandt: Vorlagestufe, Qualitätssicherungsvereinbarung (QSV)
Fachbuch, Kapitel 29
Qualitätssicherungsvereinbarung (QSV)
Vertragliche Vereinbarung zwischen Auftraggeber und Lieferant über die anzuwendende Qualitätssicherung.
Sie legt fest, welche Prüfungen, Nachweise und Zugangsrechte gelten, und wird häufig durch auftragsspezifische Einzelbedingungen ergänzt. Für einen Zulieferer ist sie neben der Zeichnung das zweite zentrale Dokument eines Auftrags.
Verwandt: Qualitätssicherungsbedingungen (QSB)
Fachbuch, Kapitel 27
Restmagnetismus
Im Bauteil verbleibendes Magnetfeld nach Kontakt mit Magneten oder nach Magnetpulverprüfung.
Vergüteter martensitischer Stahl behält ein einmal aufgeprägtes Feld hartnäckig, und die Empfindlichkeit steigt mit der Härte der Güte. Er ist die Ursache der Blaswirkung und wird deshalb im Wareneingang und vor kritischen Nähten gemessen.
Verwandt: Blaswirkung
Fachbuch, Kapitel 6.8, 29
Rolled Homogeneous Armour (RHA)
Gewalzte Homogenpanzerung, unterste Härteklasse des Schutzstahls.
Sie dient in Regelwerken wie MIL-DTL-12560 als Referenzgröße, gegen die andere Schutzstähle ballistisch verglichen werden. Für einen Fertigungsbetrieb ist sie vor allem als Bezugsgröße relevant, nicht als eigenständiger Beschaffungswerkstoff.
Verwandt: High Hardness Armour (HHA)
Fachbuch, Kapitel 29
Rückfederung
Elastische Rückverformung eines Blechs nach dem Biegen.
Sie steigt mit der Festigkeit des Werkstoffs und ist bei Panzerstahl die dominierende Größe in der gesamten Toleranzkette, oft größer als Blechdicke, Zuschnitt oder Schweißverzug zusammen. Sie unterscheidet sich zudem je nach Walzrichtung und streut zwischen Chargen.
Verwandt: Matrizenöffnungswinkel, Kaltrichten
Fachbuch, Kapitel 5, 13.5
Schweißaufsichtsperson und verantwortliche Schweißaufsichtsperson (SAP/vSAP)
Für die schweißtechnische Organisation verantwortliche Person mit zwingend benanntem Stellvertreter.
Beide Personen werden im Fachgespräch mit der anerkannten Stelle geprüft und namentlich in der Bescheinigung geführt. Fehlt ein Stellvertreter, gibt es keine Zulassung nach DIN 2303, unabhängig davon, wie gut die Fertigung sonst aufgestellt ist.
Verwandt: Schweißfachingenieur (SFI), Personalkonzept
Fachbuch, Kapitel 15.6
Schweißfachingenieur (SFI)
Höchste Qualifikationsstufe der Schweißaufsicht nach EN ISO 14731.
Für die anspruchsvollste Bauteilklasse BK 1 wird in der Regel diese Qualifikationsstufe gefordert. Darunter stehen Schweißfachmann und Schweißwerkmeister als jeweils weniger weitreichende Stufen zur Verfügung.
Verwandt: Schweißaufsichtsperson und verantwortliche Schweißaufsichtsperson (SAP/vSAP)
Fachbuch, Kapitel 15.6, 27
Sicherheitsüberprüfungsgesetz (SÜG)
Gesetzliche Grundlage für die Sicherheitsüberprüfung von Personen, die mit Verschlusssachen umgehen.
Für die niedrigste Geheimhaltungsstufe VS-NfD ist noch keine Sicherheitsüberprüfung erforderlich, wohl aber eine vertragliche Verpflichtung. Ab höheren Stufen wird eine förmliche Überprüfung nach diesem Gesetz verlangt.
Verwandt: Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch (VS-NfD), Geheimschutzhandbuch (GHB)
Fachbuch, Kapitel 27
SLV (Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt)
Regionale Institution der GSI, die als anerkannte Stelle nach DIN 2303 tätig wird.
Standorte wie Berlin-Brandenburg, Duisburg und Hannover führen Betriebsprüfungen durch und stellen Bescheinigungen aus. Berlin-Brandenburg ist zugleich Sitz der zivilen Leitstelle.
Verwandt: Anerkannte Stelle, Gesellschaft für Schweißtechnik International (GSI)
Fachbuch, Kapitel 15.9
Sonderfreigabe und Bauabweichung
Vorherige schriftliche Genehmigung des Kunden für eine Abweichung von Zeichnung, Spezifikation oder Prüfvorgabe.
Der Antrag muss vor der Lieferung über den Einkauf des Kunden gestellt werden, eine nachträgliche Beantragung ist wertlos. Bei Aufträgen mit Güteprüfung ist zusätzlich das Zentrum für technisches Qualitätsmanagement einzubinden.
Verwandt: Dickentoleranzklasse (EN 10029), Zentrum für technisches Qualitätsmanagement (ZtQ)
Fachbuch, Kapitel 13.3, 29
Stahltyp L und H
Unterscheidung nach Streckgrenze in EN 10029, maßgeblich für die zulässige Ebenheitsabweichung.
Typ L steht für niedrigere, Typ H für höhere Streckgrenze, wobei Panzerstahl wegen seiner Hochfestigkeit immer in Typ H fällt. Die zulässige Welligkeit von Typ H ist doppelt so groß wie die von Typ L.
Verwandt: Ebenheitsklasse (EN 10029)
Fachbuch, Kapitel 13.2, 29
Standardization Agreement (STANAG)
NATO-Standardisierungsvereinbarung, unter anderem Grundlage der militärischen Fahrzeugschutzprüfung.
STANAG 4569 legt zusammen mit AEP-55 sechs Schutzlevel für den Insassenschutz gepanzerter Landfahrzeuge fest. Für die Güteprüfung selbst ist außerdem STANAG 4107 relevant, das die gegenseitige Anerkennung der AQAP-Prüfung zwischen NATO-Staaten regelt.
Verwandt: Vereinigung der Prüfstellen für angriffshemmende Materialien und Konstruktionen (VPAM)
Fachbuch, Kapitel 27, 28
Technische Lieferbedingungen (TL)
Regelwerke der Bundeswehr, die Werkstoffe, Verfahren und Bauteile für die Wehrtechnik spezifizieren.
Für Panzerstahl sind vor allem die TL-2350-Reihe für Werkstoff- und Betriebszulassung und gepanzerte Gehäuse relevant. Zulassungen nach diesen Lieferbedingungen sind grundsätzlich an bestimmte Dickenbereiche gebunden.
Verwandt: Herstellerqualifikation (Q1 bis Q4)
Fachbuch, Kapitel 13.3, 27
Undermatching
Zustand, bei dem das Schweißgut eine geringere Festigkeit hat als der Grundwerkstoff.
Bei Panzerstahl kommt das häufig mit austenitischem Schweißgut vor, dessen Festigkeit unter der des martensitischen Grundwerkstoffs liegt. Das ist kein Fehler an sich, muss aber bewusst in der Zusatzwerkstoffwahl berücksichtigt werden.
Verwandt: Kohlenstoffäquivalent (CET/CEV)
Fachbuch, Kapitel 29
Unterpulverschweißen (UP)
Mechanisiertes Lichtbogen-Schweißverfahren unter einer schützenden Pulverschicht.
Es erlaubt hohe Abschmelzleistungen und wird für lange, gerade Nähte eingesetzt. Wegen der hohen Wärmeeinbringung ist es bei Panzerstahl nur mit sorgfältig festgelegtem Temperaturregime vertretbar.
Verwandt: Wärmeeinflusszone (WEZ)
Fachbuch, Kapitel 27
V50
Ballistischer Grenzwert, bei dem die Durchschusswahrscheinlichkeit 50 Prozent beträgt.
Es handelt sich um eine statistische Größe aus mehreren Beschussversuchen, nicht um eine Garantie für den Einzelschuss. Der Wert wird je Charge und je Dicke ermittelt und gilt nur für das geprüfte Blech in diesem Zustand.
Verwandt: Multihit, Zeugblech
Fachbuch, Kapitel 29
Verband der Automobilindustrie (VDA)
Branchenverband, dessen Dokumentationsstandards teils auch im Wehrbereich referenziert werden.
VDA 1 regelt Dokumentation und Archivierung, VDA 6.3 das Prozessaudit, beide werden gelegentlich als ergänzende Anforderung verlangt. Für einen Betrieb sind sie meist zusätzlich zu den eigentlichen Wehrtechniknormen relevant, nicht als Ersatz.
Fachbuch, Kapitel 27, 28
Vereinigung der Prüfstellen für angriffshemmende Materialien und Konstruktionen (VPAM)
Prüfstellenverbund mit eigener ballistischer Prüfrichtlinie für zivile und teils militärnahe Anwendungen.
Die Allgemeine Prüfrichtlinie definiert Prüfstufen von 1 bis 10, Prüfmusterformat, Auftreffwinkel und die Multihit-Definition. Für plattenartige Materialien existiert zusätzlich eine eigene produktbezogene Prüfrichtlinie.
Verwandt: Multihit, V50
Fachbuch, Kapitel 27, 28
Verfahrensprüfung (WPQR)
Nachweis, dass eine Schweißanweisung für eine konkrete Fertigungssituation geeignet ist.
Sie muss für Grundwerkstoff, Zusatzwerkstoff, Geometrie, Dicke, Nahtart und Schweißposition repräsentativ sein. Verfahrensprüfungen sind unabhängig vom Werkstoff auch für automatisierte Schweißprozesse erforderlich.
Verwandt: Welding Procedure Specification (WPS)
Fachbuch, Kapitel 15.3, 29
Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch (VS-NfD)
Niedrigste Geheimhaltungsstufe im deutschen Geheimschutzsystem.
Sie erfordert keine förmliche Sicherheitsüberprüfung, wohl aber eine vertragliche Verpflichtung nach Anlage 4 des Geheimschutzhandbuchs. In der Praxis ist sie die Stufe, mit der viele Betriebe beim Einstieg in die Wehrtechnik zuerst in Berührung kommen.
Verwandt: Geheimschutzhandbuch (GHB), Sicherheitsüberprüfungsgesetz (SÜG)
Fachbuch, Kapitel 29
Verschlusssachenanweisung (VSA)
Anweisung, die den innerbetrieblichen Umgang mit Verschlusssachen regelt.
Sie konkretisiert, wie ein Betrieb organisatorisch mit als geheimhaltungsbedürftig eingestuften Unterlagen umgeht. Zusammen mit dem Geheimschutzhandbuch bildet sie die Grundlage für die betriebliche Geheimschutzorganisation.
Verwandt: Geheimschutzhandbuch (GHB)
Fachbuch, Kapitel 27
Verteidigungsgeräte-Norm (VG)
Eigenständige Normenreihe für Verteidigungsgerät, etwa für Tarnfarben.
VG-Normen ergänzen die allgemeinen technischen Lieferbedingungen um spezifische Festlegungen, die außerhalb der zivilen Normenwelt liegen. Sie sind für Betriebe relevant, die Beschichtungen oder Sonderprozesse für Wehrmaterial anbieten.
Verwandt: Technische Lieferbedingungen (TL)
Fachbuch, Kapitel 27, 28
Volatile Corrosion Inhibitor (VCI)
Flüchtiger Korrosionsschutz, der aus Folie, Papier oder Emitter abgegeben wird.
Der Wirkstoff schlägt sich auf der Metalloberfläche nieder und schützt so auch schwer zugängliche Bereiche während Lagerung und Transport. Er ist Teil der üblichen Konservierungsstrategie für Panzerstahlbauteile.
Verwandt: Dreifarb-Tarnsystem
Fachbuch, Kapitel 29
Vollhartmetall (VHM)
Werkzeugwerkstoff für die spanende Bearbeitung hochfester Stähle.
In Verbindung mit innerer Kühlmittelzufuhr ist er das übliche Werkzeugmaterial beim Bohren von Panzerstahl. Wendeplattenwerkzeuge stoßen bei größeren Bohrtiefen dagegen schneller an ihre Grenzen.
Verwandt: Innere Kühlmittelzufuhr (IKZ)
Fachbuch, Kapitel 27
Vorlagestufe
Umfang der Erstbemusterung, von Selbstfreigabe bis Vollbemusterung durch den Kunden vor Ort.
Die konkrete Stufe ergibt sich aus dem Qualitätssicherungsbedingungen-Code des Auftrags. Die anspruchsvollste Stufe bedeutet, dass der Kunde die Bemusterung persönlich im Betrieb begleitet, was frühzeitige Terminabstimmung erfordert.
Verwandt: Erstbemusterung (First Article Inspection, FAI), Qualitätssicherungsbedingungen (QSB)
Fachbuch, Kapitel 29
Wärmeeinflusszone (WEZ)
Bereich neben Naht oder Schnittkante, dessen Gefüge durch Wärme verändert wurde.
Bei Panzerstahl ist sie der kritische Bereich für Erweichung und Rissbildung, weil die ballistische Leistung ausschließlich aus dem Wärmebehandlungszustand kommt. Sowohl zu hohe als auch zu niedrige Temperaturführung schädigen diese Zone auf unterschiedliche Weise.
Verwandt: Kohlenstoffäquivalent (CET/CEV), Zwischenlagentemperatur
Fachbuch, Kapitel 1, 29
Wehrtechnische Dienststelle (WTD)
Bundeswehrdienststelle für technische Erprobung, im Kontext Panzerstahl vor allem WTD 91 für Waffen und Munition.
Sie führt die Beschusserprobung der Q3-Prüfkörper durch und ist damit für die Panzerstahlzulassung unmittelbar zuständig. Ohne benannten Auftrag und Bedarfsträger findet ein Q3-Erstantrag bei der WTD selten Berücksichtigung.
Verwandt: Anspreng-Grundkörper, Herstellerqualifikation (Q1 bis Q4)
Fachbuch, Kapitel 15.4, 27
Wehrwissenschaftliches Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB)
Militärische Leitstelle der Bundeswehr für Schweiß- und Klebtechnik.
Es ernennt die zivile Leitstelle, lässt anerkannte Stellen zu und vertritt die Bundeswehr in einschlägigen Normungsausschüssen. Es führt außerdem eine Liste zugelassener Zusatzwerkstoffe für spezielle Werkstoffe.
Verwandt: Zivile Leitstelle, Anerkannte Stelle
Fachbuch, Kapitel 15.9, 27
Welding Procedure Specification (WPS)
Schweißanweisung, die die Parameter eines Schweißprozesses festlegt.
Sie beschreibt unter anderem Zusatzwerkstoff, Vorwärmtemperatur und Wärmeeinbringung und muss durch eine Verfahrensprüfung abgesichert sein. Vor der ersten Naht an einem neuen Bauteil wird geprüft, ob eine passende WPS überhaupt vorliegt.
Verwandt: Verfahrensprüfung (WPQR)
Fachbuch, Kapitel 27
Zentrum für technisches Qualitätsmanagement (ZtQ)
Fachbereich im BAAINBw für technisches Qualitätsmanagement, unter anderem bei Sonderfreigaben.
Bei Aufträgen mit Güteprüfung ist es in den Sonderfreigabeprozess einzubinden, wenn ein Betrieb von der vereinbarten Ausführung abweichen will. Es ist damit eine der Stellen, die Betriebe bei Abweichungen zusätzlich zum Einkauf des Kunden ansprechen müssen.
Verwandt: Sonderfreigabe und Bauabweichung, Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw)
Fachbuch, Kapitel 13.3, 27
Zerstörungsfreie Prüfung (zfP)
Sammelbegriff für Prüfverfahren, die ein Bauteil ohne Zerstörung auf innere oder äußere Fehler prüfen.
Dazu zählen unter anderem Eindring-, Magnetpulver-, Ultraschall-, Durchstrahlungs- und Sichtprüfung. Das eingesetzte Personal muss nach EN ISO 9712 qualifiziert sein, in der Luftfahrt gilt zusätzlich EN 4179.
Verwandt: Prüfverfahren der zerstörungsfreien Prüfung (PT/MT/UT/RT/VT)
Fachbuch, Kapitel 27
Zeugblech
Kontrollmaterial hinter dem Prüfmuster bei der Beschussprüfung.
Es zeigt an, ob eine Durchdringung oder Absplitterungen auf der Rückseite des Prüfmusters entstanden sind. Es ist Teil der standardisierten Prüfanordnung bei ballistischen Prüfungen.
Verwandt: V50
Fachbuch, Kapitel 29
Zivile Leitstelle
Von der militärischen Leitstelle ernannte Stelle, die das Zulassungssystem nach DIN 2303 organisatorisch trägt.
Sie führt das Onlineregister der zugelassenen Hersteller, richtet den Erfahrungsaustausch der anerkannten Stellen aus und ist selbst als anerkannte Stelle tätig. Sie hat keinen Einfluss darauf, welche anerkannte Stelle ein Betrieb für sein Verfahren auswählt.
Verwandt: Anerkannte Stelle, Wehrwissenschaftliches Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB)
Fachbuch, Kapitel 15.9
Zwischenlagentemperatur
Temperatur des Bauteils vor dem Aufbringen der nächsten Schweißlage.
Bei Panzerstahl ist sie nach oben eng begrenzt, weil zu hohe Temperaturen die Wärmeeinflusszone erweichen lassen. Gemessen wird am dickeren Blech der Verbindung, mit einer Wartezeit von mindestens zwei Minuten je 25 Millimeter Dicke vor der Messung.
Verwandt: Kohlenstoffäquivalent (CET/CEV), Wärmeeinflusszone (WEZ)
Fachbuch, Kapitel 6.5, 6.6, 29